Dem Thema Räuchern haben wir einen ausführlichen Beitrag gewidmet. Anna Holzer beschreibt hier aus ihrer Sicht viele Aspekte dieses Bereiches.

Helles und Dunkles

von Anna Holzer – Digitalisierter Auszug aus dem Booklet

Mehr über Anna Holzer, Kräuter und Räuchern erfahren Sie durch Klick auf die jeweiligen Begriffe. Und hier gehts zur Webseite Strumerhof.

Herrgottswinkel und Ofenhölle – Begriffe aus unseren traditionellen Bauerstuben. Stuben, die beseelt sind von Generationen, von Freud und Leid.

Stuben die jenen Hauch atmen, den das Räuchern zu transformieren, zu verstärken, aufzulösen vermag. Möge dieser Beitrag in dir das Feuer für das Räuchern entfachen! Gedanken zum Räuchern. Als Räuchern bezeichnen wir das Auflegen von aromatischen Pflanzenteilen auf glühende Kohle, wodurch das Materielle in Asche verwandelt und der Geist der Pflanze durch den Rauch frei wird. Es ist ein Transformationsprozess, an dem alle vier (mit Äther fünf oder noch mehr?) Elemente beteiligt sind. Das Wasser steht dabei am Anfang religiöser Praktiken auch immer daneben (als Weihwasser). Ritus heißt Ordnung und ein Ritual bezeichnet eine bewusste Handlung, die in einem größeren Zusammenhang steht. Dabei wollen wir von der Absicht ausgehen, dass auf eine Reifung, eine Gesundung im weitesten Sinne, eine Verbindung zum großen Ganzen hin gezielt wird. Rituale unterstützen uns daher beim Beten, Anrufen, bei der religiösen Begleitung/Erziehung, beim Loslassen,…

Wir können durchs Räuchern aber auch schmackhaft und haltbar machen, reinigen, heilen, schützen, segnen, einen geistigen Raum schaffen, orakeln und geistig reisen. Die Namensähnlichkeit des Rauches mit der biblischen „Ruach“ (hebr.: Gottes Geist, Wind, Hauch, Lebensatem) umhüllt diese Feinstofflichkeit in mystischer Weise. Damit wird Räuchern auch zum Ausdruck des Respektes und allemal des Dankes!

Traditionell räuchert man in Osttirol besonders an den Vorabenden zu den besonderen Feiertagen in der Weihnachtszeit – an den sogenannten Rauhnächten: 24. und 31.Dezember, 5.Jänner. Allein, dass dabei die Nächte (und nicht die Tage) genannt werden, lässt die besondere Stimmung der dunkleren Jahreszeit, der ächzenden Schneestürme, der föhnigen, lawinenverdächtigen Nächte und klirrenden Fröste spüren Da schwelt zum einen der Rauch, zum anderen die Ruach, der Geist und nicht zuletzt der Geruch. Erinnerungen an Gerüche gehen bis in die früheste Kindheit zurück und stehen immer im Zusammenhang mit einem Gefühl. Welche Gerüche (Düfte) uns guttun, zu unserem Wohlbefinden beitragen, hängt mit den damit verbundenen Erinnerungen = Gefühlen zusammen. Wie wir Weihnachten empfinden, bestimmt vielleicht das Vanillekipferl, der Tannenduft oder der Weihrauch…

Wo Rauch ist, ist auch das Feuer nicht weit. Wozu räuchern wir? Geräuchert wird und wurde zu ganz unterschiedlichen Zwecken:

• körperiche Anwendung (medizinischeWrkung),
• seelischer / geistiger Bereich,
• spirituelle / rituelle Ebene.

Reinigungsräucherungen – Der Rauch verschiedener Pflanzen wirkt keimtötend. So wurden schon immer Krankenzimmer damit desinfiziert, was in früherer zeit lebensrettend sein konnte. Weihrauch löst auch Fischgeruch in der Küche auf.
Konservierungsräucherung – Speck, Hauswürstl, uam. werden durch den Rauch von Holzspänen, Wacholderzweigen (natürlich zusätzlich unter Einwirkung von Salz und Gewürzen) haltbar gemacht.


Aromatisierungsräucherungen – Manchmal räuchert man einfach, um Kleidung und Wohnräume zu aromatisieren, um vor Schädlingen zu schützen oder um einen besseren Geruch zu erlangen. Zweck der Schutzräucherungen ist es, negative Energien zu beseitigen, ob man sie nun Strahlung oder böse Geister nennen mag.
Erdungsräucherung – Das Räuchern mit manchen Pflanzen hilft auch, festen Boden unter den Füßen zu behalten bzw. zu erlangen. Gerade im Umgang mit anderen Menschen, besonders in der Trauerarbeit ist dies von Nutzen.
Anrufungsräucherung – Hat sich das Räuchern vielerorts sprichwörtlich in Schall und Rauch aufgelöst, ist es nun wieder „in Mode“ gekommen. Mag es für manche nur ein Trend sein, ich sehe dahinter vielmehr ein neues, spiritistisches Bewusstsein. Ein „Ahnen“ (!), dass unsere wirkliche Entwicklung nur in Verbindung mit der Natur und der geistigen Welt möglich ist?
Ahnenräucherungen – Auch für die Ahnen wurde schon immer geräuchert. Entweder um mit ihnen in Kontakt zu treten, oder um Ihnen gute Wünsche in ihre Welt zu schicken.

Volksbrauchtum in unserer Region: Es sind vermischte Formen von uraltem Brauch und kirchlichen (kath.) Festtagsriten. Von den 12 (14?) keltischen Rau(c)hnächten verblieben bei uns die Vorabende zu den christlichen Festtagen: Heiliger Abend, Silvesterabend und Dreikönigsabend — also der 5.1.) Im Keltischen war dies die Gemnacht, worum sich auch der Roman der Heimatschriftstellerin F.W. Pedit „Der Perchtenstein“ dreht.

Gottverehrung – Götternahrung

Schon sehr bald wurde das Räuchern auch als Huldigung der Götter angewandt. Der Rauch war die Nahrung der Götter, und trägt symbolisch die Gebete zu ihnen. So dürfen wir heute auch die zeremonielle Verwendung des Weihrauchs in der Kirche verstehen: Der Weihrauch wird in der Heiligen Messe, zur Verehrung des Allerheiligsten, bei Prozessionen oder in der sakramentalen Andacht eingesetzt. Die eucharistischen Gaben und Gestalten sowie alle Christussymbole – wie der Altar, das Evangeliar, der bzw. die Priester, das Altarkreuz, die Osterkerze und die Weihnachtskrippe – und die Gläubigen werden mit einem Weihrauchfass beweihräuchert (inzensiert).

Räuchern – um in andere Wirklichkeiten zu gelangen Einige Kräuter erleichtern und durch ihren Rauch den Eintritt in andere Wahrnehmungszustände. So gelangen viele Schamanen durch das Rächern in die Anderswelt, um dort mit ihren Spirits zu arbeiten.

Wann wurde/wird geräuchert? Zu den Jahreskreisfesten, Zu besonderen Ereignissen im Leben, wie Geburt, Hochzeit oder Tod. Wenn Krankheiten oder Seuchen auftraten, um die Keime abzutöten. Bei drohendem Unwetter. (Königskerze – Beinamen Wetterkerze). Für besondere Anliegen Es geht darum, den Geist (die Wirkung) von der Materie (Pflanzenkörper) zu lösen. Das Feuer wird zur Transformation verwendet.

Arten der Räucherungen:

 

• Räuchergut auf Kohle
• Moxibustion — mittels Moxazigarre (Beifuß)
• Räucherstäbchen
• Salbeibüschel
• In Rauch „getränkte“ Tücher
• Süßgraszöpfe
• Verheizen (Aufschüren vom weihen Bischl) traditionell bei drohendem Unwetter

Tradition heißt: Das Feuer hüten und nicht die Asche aufbewahren. – Papst Johannes XXIII.

Räucherzubehör und richtiges Räuchern

Traditionell war da das Kohleeisen (gefährlicher Funkenflug) oder die Stielpfanne vom Dreifuß am offenen Holzherd. Kohle aus dem Holzherd riecht für sich schon (hat vielleicht auch die Wirkung des jeweiligen Holzes), ist aber eher heiß genug (Kräuter verbrennen leicht) und kühlt dann wieder zu schnell ab. Spezielle Räucherkohle erfüllt diese Ansprüche bestens, wird allerdings oft in Kinderarbeit erzeugt. Feiner Sand als Untergrund für die Kohle hält die Glut länger, isoliert gleichzeitig nach unten und ist auch für manches „Geschirr“ schonender. Räuchern braucht eine gedankliche Vorbereitung, die richtige Einstellung, die Ruhe während der Zeremonie und natürlich ein paar Zutaten:

Neben Gefäß und Kohle sind noch eine Feder (zum Fächeln) und eine Zange (zum Bewegen des Räucherguts) von Vorteil. Wir sind nur Teil eines großen Ganzen und tragen Gott (dem/den höheren Wesen) unsere Ansinnen — verbunden mit der Bitte darum – vor. Wir bitten auch die Elemente: Feuer, Luft, Erde und Wasser um ihre Mithilfe. Wenn dann die Kohle durchglüht ist (feine graue Aschenschicht), dann räuchere ich mich als erstes selbst ab und evtl. begleitende Menschen. Welche Räucherstoffe man einzeln oder vermischt räuchert, kann auch intuitiv entschieden werden, vorbereitet sollten sie aber sein. Wir beginnen beim Eingang (oder im Osten) und räuchern jeden Winkel im Uhrzeigersinn aus. Beten, singen, aufscheuchen von unguten Energien mittels Klatschen oder Klangschale (begleitende Person) darf einfach geschehen. Die Feder erleichtert das Ausfächlen von Ecken (der Rauch soll nicht mehr grau sein und nicht still stehen. Leichte Bewegung zeigt an, dass alles wieder in Fluss kommt. Danach Fenster öffnen, gut durchlüften, den guten Mächten danken und die neue Energie genießen! Ob eine Schutzräucherung danach stimmig/notwendig ist, entscheidet der Moment. Eine Segnung mit Weihwasser und einem persönlichen Gebet hat auch seine wunderschöne Wirkung!

Wirkung heimischer Kräuter und Harze

Jeder von uns ist eine einzigartige Persönlichkeit mit seiner ebenso persönlichen Geschichte. Niemals wirken die Kräuter für alle gleich, auch für dich wirken sie nicht zu jeder Zeit in gleicher Weise und vor allem: sie wollen geachtet und um ihre Wirkweise gebeten sein! Nachfolgende Wirkweisen sind Erfahrungswerte, ersetzen aber keinen Arztbesuch!

Ackerschachtelhalm wirkt auf das Stirnchakra – Innenschau, auflösen alter Muster

Alant „Türsteher, Reinigung, in Fluss bringen

Anissamen (gut mörsern!) gegen Alpträume, mehr Leichtigkeit

Basilikum für Glück und Wohlstand, stärkt Selbstvertrauen

Beifuß: fast wichtigstes Räucherkräutl, bestes Schutzkraut, zum Hellsehen, Beifuß feuert das Becken an – großes Frauenkraut, aber nicht in der Schwangerschaft!

Beinwell: stark reinigende und desinfizierende Wirkung

Blutwurz: Erdung, im Hier und Jetzt leben (Wurzel!) bei negativem Einfluss von schlecht gelaunten Menschen

Bohnenkraut: aromatisch, desinfizierend, macht auch innerlich frei (Bronchien), nimmt Ängste und Zweifel – fördert Konzentration, hilfreich vor Ritualen oder Meditationen

Brennnessel: Räucherung an Walburgis bringt Schutz vor Unwetter und anderem Unheil in Haus, Stall und Hof.

Dost (Wohlgemut- Wilder Majoran) Reinigung, Schutz, aurastärkend, steigert Selbstwertgefühl

Ebereschenbeeren: Steigerung übersinnlicher Wahrnehmung

Eberraute : energetische Reinigung und Schutz, vertreibt Müdigkeit und Motten

Eibe : (giftig – umsichtig verwenden, beim Räuchern schon lüften!) für Transformationsprozesse (Friedhöfe), große Wandlerin, Ahnenkontakte, unterstützt Zeitreisen oder nächtliche Visionen.

Engelwurz: das Schutzkraut (Name), erdend, aurastärkend

Enzianwurzel: Loslassen, unterstützt Trauerarbeit

Estragon hilft bei der Gedankenklärung, wirkt auf Scheitel- und Stirnchakra, Schutzkraut

Fenchel: Lösung oder Klärung von Problemen, für innere Stabilität, Trost spendend, entspannend, bei Einsamkeit

Fichte/Fichtenharz: Herberge für Geister und Feen Reinigung, Schutz (auch von Energien schlecht gelaunter Menschen), bei Erkältung, fördert Kreativität, Mut und Selbstvertrauen

Frauenmantel „der grüne Mantel von Mutter Erde“ entkrampft gesamten Bauchraum, auch bei inneren Zwängen

Gänseblümchen: schafft Kontakt zum inneren Kind und verleiht der Seele kleine Flügelchen. Öffnet das Herz zur Betrachtung unseres Seins/Tuns aus einer anderen Perspektive.

Goldrute: unterstützend beim Aufarbeiten von Traumata, stimmungsaufhellend, aromatisch, öffnend und schützend zugleich.

Gundermann: oder Gundelrebe stark magische Pflanze gegen Schadenszauber (Milch“kundell) gehört in jede Schutzräucherung, aromatisch, Öffnung des Stimchakras, Hellsichtigkeit

Haselholz: (Wünschelruten, Märchen) unterstützt mentale Kräfte, entschleunigt in Stresssituationen, Schutz vor negativen Strahlen

Heublumenblüten: bei Stress, Nervosität und Schlafstörungen soll auch Fruchtbarkeit unterstützen

Holunderbeere: Grenzen überschreiten (Brunnen Frau Holle) und doch den Schutz des Holunderbaumes genießen. Im Holz des Hollers finden wir Mark — wie im menschlichen Knochen.

Hopfen: Ruhe, geistige Entspannung, innere Balance

Huflattichkraut: bei Einsamkeit, aromatisch (leicht pfeffrig) bei trockenem Husten, stimmungsaufhellend

Johanniskraut: stimmungsaufhellend, zum Bannen von bösen Geistem und Dämonen.

Kamille: Aurareinigung, entspannend Trost spendend, segnend und Angst nehmend, beruhigend

Knabenkraut schafft Streitereien zw. Liebespaaren aus der Welt, bringt Liebe zurück, macht bereit für eheliche Werke

Königskerze: auch Wetterkerze — Mittelpunkt jedes geweihten Kräuterstraußes, hilft „aufrichten“

Lärchenholz und Lärchenpech: Gestautes“ in Fluss bringen — Traumata, bei verlorener Lebensfreude

Lavendel: aromatisch, entspannend, stimmungsaufhellend, desinfizierend bei jeder Art von „dicker Luft

Lorbeerbaumes: Klarheit, Visionen, Hellsichtigkeit, Anrufungen

Mädesüßkraut: reinigend bei Streitereien, stimmungsaufhellend, innere Balance, Frieden und Harmonie in Partnerschaft, reinigt Astralkörper, gibt Lebensfreude

Meisterwurz: im Pustertal noch sehr wichtiger Bestandteil des Frauenbuschens. Rauch heilte Wunden — auch seelische Verletzungen, hilft auch im übertragenen Sinn zu verdauen.

Melisse: Frohsinn, Freude und Freundschaft, zieht Geldsegen an, fördert Entspannung und gesunden Schlaf.

Mistel: reinigt von negativen Schwingungen, bringt guten Schwung ins Haus, vor Ritualen oder schamanischen Handlungen

Mohnsamen: hilft, unsere Schattenwelt anzuschauen und in unser Leben zu integrieren.

Minze : geistige Klarheit, Konzentration, Vitalität, erfrischend

Myrrhe:stark heilende Eigenschaften, zum Segnen von Amuletten, verbindet einzelne Bestandteile (beim Räuchern) zum Ganzen.

Quendel: Mut, Kraft, gegen Alpträume, Schutzräucherung, Reinigung (auch im Stall) wirkt auf Herz- und Solarplexus

Ringelblume : Verstorbene loslassen u. verabschieden können

Rose: Herz- und Kehichakra, Liebesräucherung, Sinnbild des jungen Mädchens, das zur Frau erblüht.

Rosmarin: entspannte geistige Klarheit, Schutz und Desinfektion, stärkend, begleitet uns auf allen wichtigen Stationen unseres Lebens. Zieht (als Räucherung im Freien) Feen, Elfen, Naturgeister an.

Rotklee : Abräuchem der eigenen Aura, Beruhigung und Reinigung, innere Balance bei äußerer Hektik, bei Panikattacken

(weißer) Salbei: großes Heil- und Schutzkraut, öffnet die Spiritualität in uns, desinfiziert, erdet, klärt und macht innerlich ruhig und frei. Der Name Salvia ist vom lat. Wort salvare abgeleitet, was „retten“ bedeutet, klar und stark im Duft, heilsam, reinigend, hält negative Kräfte fern, nicht während des Mondes einer Frau (Periode)

Schafgarbe (garbe = vom ahd und bedeutet „garwe“ = Gesundmacher), Reinigung, Traumarbeit, Visionen, Schutz vor schlechten, spiritistischen Einflüssen,

Thuia: (leicht giftig — lüften!) heilt, transformiert alte Geschichten und Muster, verstärkt Intuition und übersinnliche Wahrnehmung

Thymian: Reinigung, Schutz, Widerstandskraft, entfacht inneres Feuer (thymus — Mut) – Liebesräucherung

Wacholder (Zweige und Beeren) Klarheit (Name —Wach…), reinigend, desinfizierend, konservierend, heilend, schützend (vor Fremdeinflüssen), Ahnenkontakt

Wermut: Schutzwirkung wie Beifuß, in Lieberäucherungen, fördert Visionen und Hellsichtigkeit

Weide: wirkt auf Sakralchakra — auflösend, kühlend, bringt in Fluss, setzt Spannungen herab (Gewitter — Palmzweige ins Feuer)

Zimt: zwar nicht heimisch, kenne aber kein in Wirkung vergleichbares, heimisches Kraut. Zimt wird mit der Leidenschaft des Mannes in Verbindung gebracht, denn sein weicher Duft wirkt erwärmend und leicht aphrodisierend. Zimt bringt außerdem das Glück ins Haus und wirkt bei nervösen Spannungen und Angstzuständen.

Die Liebe ist ein Feuer, das im Laufe der Jahre mehr Rauch entwickelt als Hitze.

Die Rauhnächte

Die Nächte, die zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, liegen, sind geheimnisvolle Nächte des Übergangs. So wie der Einfluss des Mondes auf den Menschen für mich unbestritten ist, spüren wir auch die Zeit der Wintersonnenwende. Unsere Vorfahren begegneten dieser spannungsvollen Zeit mit besonderen Riten, begleitet mit (Rosenkranz) Gebet und vor der Christianisierung wohl mit „Heiden“-Lärm. Räuchern, grüne Zweige als Lebenssymbol, getrocknete Kräuter zu Heilung im weitesten Sinne und Flursegnungen (auch Perchtenläufe) haben sich seit Jahrtausenden erhalten und wurden – mit christlicher Symbolkraft in die kirchliche Tradition aufgenommen. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Hilfsmittel. Aber im Innersten verspüren wir auch heute denselben Wunsch nach dem Sieg von Licht, Liebe und Frieden. Ob als Klaubaufgeläut oder als Klangschale, ob als Böllerschießen oder als Silvesterknaller, ob es der Palmbesen, den man in manch moderner Wohnung nicht einmal verheizen kann, ist, oder das erlesene Räucherstäbchen.

Ich glaube, wichtig bleibt, dass man sich in guter Absicht mit dem Brauchtum auseinandersetzt, für sich Wertvolles erkennt und es für sich (die Familie) (er)lebbar macht. Achtsamkeit und Nachhaltigkeit spielen für unsere Jugendlichen dabei oft nicht die geringere Rolle, als mancher Firlefanz. Vielleicht sind wir auch wieder spüriger geworden, als es in vor wenigen Jahrzehnten „geglaubt“ wurde. Wenn es stimmt, dass die Erdstrahlung während der Rauhnächte besonders hoch sei, dann wird so manche Schutzzeremonie noch verständlicher, sinnvoller. Wohlan mit Glut und Feder!! Ob Brauchtum Angst einflößen soll, ob es Machtinstrumente sind, ob Orakel uns von der Selbstverantwortung entbinden soll, das möchte ich stark in Zweifel stellen.

Das Frauenbischl und das Räuchern

Portunkulawoche und Frauenwoche – die zwei gefürchteten Gewitterwochen im August! Wenn gleißende Blitze durch das Firmament stechen und die Donner voll Ingrimm durch die Täler hallen, wenn schwarze Wolkenarme drohend um die Bergkuppen greifen, dann wird unser ach so großer Geist zaghaft und fügig und erinnernd stecken wir gleich ein paar Zweiglein des „weichen Bischls“ ins Feuer, sofern da noch ein mit Holz beheizbarer Ofen steht…. „Steck Arnika an, steck Arnika an, damit das Wetter sich scheiden kann!“ Dass Arnika die Selbstheilungskräfte stärkt und Alpträume, Ängste und Verzweiflung lindert, mag uns heute hilfreicher erscheinen, als ihr Schutz gegen Feuerbrunst und Hagelschäden. Doch: „Wenn dich der Schlag trifft, sollst du sofort Arnikaschnaps trinken, damit keine dauernden Schäden bleiben“ — sagten die Alten. Wer weiß schon, was unsere Ahnen ahnten oder wussten? Ähnliches mit Ähnlichem heilen.. Gedankenfetzen geistern durch mein Hirn. Fast eine homöopathische Gabe. Ein paar Stängelchen ins Feuer — demgegenüber ein Brand, den man damit zu verhindern wähnt. Nicht anders beim Griff ins Weihwasserkrügel: Was sind die paar Tropfen zu dem prasselnden Regen und drohendem Unwetter? Was macht mich so unruhig, was bringt mich eigentlich so zum Fürchten? Ist es aufgedeckte Kleingläubigkeit oder (hoffentlich) Ehrfurcht vor einer Größe, die unser Machbarkeitsdenken doch einmal kurz und kräftig durchrüttelt? In solcherlei Gedanken versunken, streife ich durch den Garten und durch wildes Gebüsch, um jene Kräuter für den Frauenbischl zu finden, die mich ansprechen. Künstler wollen gebeten sein — und Kräuter sind wahre Lebens-Künstler! Auch sie sollten wir um ihre (Heil-)Wirkung bitten!

Glauben wir an die Feinstofflichkeit, macht es einen erheblichen Unterschied, ob wir reißen, gieren, oder uns mit Achtsamkeit nähern und behutsam pflücken. Als Mutter – und es geht hier um den Frauenbischl – denke ich dabei an Kinderarme, die ich fasse. Im Mittelpunkt des Straußes wird aller Wahrscheinlichkeit eine Königskerze (Name) thronen. Als Fackel (Himmelbrand) dient sie schon lange nicht mehr, auch die Fischer bedienen sich nicht mehr ihrer Samen (leicht betäubend für die Fische), ihre Wetterpropheterie sei dahingestellt. Doch als Heilkraut erfreut sie sich ungetrübter Beliebtheit und als Blütenessenz fördert sie die Wahrhaftigkeit und Selbsterkenntnis. Um sie herum gesellen sich zum Strauß gar verschiedene „Brüder und Schwestern“: Wohlgemuth (tut dem Magen gut), Bibernell (dann holt di der Tissl nit so schnell), die gar meisterliche Wurz, Minzearten (gelten als Symbol der Gastfreundschaft), Schafgarbe (sie enthält die Inhaltstoffe der ganzen Palette der Schüsslersalze) und oft auch zur Zier bunte Gartenblumen.

Einige der Kräuter wachsen auf sogenannten Störzonen (z.B. Wasseradern, bei Bahngleisen,…) und wirken als Räucherung eben auch gegen störende Einflüsse. Johanniskraut, kanadische Goldrute sind nur zwei typische Beispiele dafür. Außerdem kommen heute bezeichnenderweise mehr beruhigend wirkende Kräuter in den „Buschen“: Baldrian (den Tag hör auf, den Tag fang an mit einer Prise Baldrian), Melisse (macht Blut dünnflüssiger), Johanniskraut, Kamille. Drei Frauenkräuter sollten nach Möglichkeit den Strauß bereichern: Der Frauenmantel, das Mutterkraut (oft großes Mittel bei Migräne) und der belanglos aussehende Beifuß. „Bei Fuß getragen“ soll er müden Füßen vorbeugen, der rote Stängel (Signaturenlehre) besagt die Wirksamkeit bei Venenleiden, auch bei Menstruationsbeschwerden. Beifuß ist immer „bei Fuß“, wenn es um Entscheidungen, um Lebensübergänge geht. Er belebt als Tee die Unterleibsorgane und wirkt menstruationsfördernd. Als solcher war er Teil der Medizin der weisen Frauen von damals.

Sie kannten Kräuter und Trank daraus für Kindersegen und auch dagegen. Ein Wissen, das im gar nicht so grauen Mittelalter auch beim Mann ansetzte und dort als die Kunst des „Nestlknüpfens“ bezeichnet wurde. Dafür wand man in den vorchristlichen Frauenbischl einige gar verwunderliche Kräuter. Die nackte Notwendigkeit zur Selbsthilfe und die tiefe Verbundenheit mit der Apotheke Gottes machten es (wie bei manch anderem Brauch) der kirchlichen Obrigkeit unmöglich, den Zauber des Frauenbischls zu bannen. Von Mönchen im Mittelalter ist uns überliefert, dass ihnen gerade Wermut, Beifuß und Eberraute ein Dorn im Auge waren: „Artemisia ist ein Kraut, das ist uns allen ungeheuer!“So nahm man den wohlbedachten, gebundenen Kräutervorrat ins kirchliche Brauchtumsjahr auf und ließ ihn sinniger Weise zu Beginn des Frauendreißigers weihen. Er war nun kein „Hebammenbischl“ (Frauenbischll) mehr, er IST der geweihte Kräuterstrauß, der in vielfältigster Weise mit nicht ganz verhaltenem Stolz von der Weiblichkeit am Hohen Frauentag zum Weihe getragen und dann, gesegnet mit guten Gedanken, auf der Firstpfete aufbewahrt wird. An höchster Stelle (im Haus) wacht diese Apotheke Gottes unserer Vorfahren und hilft gewiss auch heute noch, wenn Not am Mann/Frau ist. Unsere Probleme sind nur subtiler geworden. Es sind die „inneren Gewitter“, deren Glättung wir mit dem uralten Räucherritual unterstützen können. Grad zu diesem Zweck zieren auch die leuchtende Ringelblume und der Salbei (am besten der weiße) den bunten Strauß. Probier’s aus – ich wünsch es dir herzlichst – Anna

Kräuterwirtshaus Strumerhof – Familie Holzer – Hinteregg 1 – 9971 Matrei in Osttirol – www.strumerhof.at – strumerhof@aon.at – Tel.: +43 (0) 4875 6310

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